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Hainburg backt für das Ahrtal

"Diese Spende übergeben wir persönlich"

Das war unser Gedanke angesichts des überwältigenden Spendenbetrages von 10.725,22 Euro, den die Aktion „Hainburg backt“ für die Opfer der Flutkatastrophe in Bad Münstereifel ergeben hat.

An dieser Stelle ein ganz herzliches DANKESCHÖN an all die Bäcker*innen und Helfer*innen bei Aufbau, Transport, Verkauf, Pressearbeit und an all die vielen großzügigen Spender*innen, die am Tag des Events, aber auch in den Tagen davor und danach dafür sorgten, dass die Spendenkasse klingelte. Wir waren sprachlos und unglaublich glücklich über diesen Erfolg.

Dementsprechend freudig machen wir uns am 29. Oktober auf den Weg ins Eifelstädtchen und werden dort ebenso erfreut von Pfarrer Raschke, Pfarrerin Weichsel, Küsterin Krumbein und dem Flutopfer Frau Decker vom Kirchenvorstand begrüßt.

Bei einem Rundgang durch die Altstadt können wir sehen, wie malerisch und lebendig die Innenstadt einmal gewesen ist, viele kleine Einzelhändler, Cafés und Kneipen in der Fußgängerzone entlang des Flüsschens Erft mit seinen pittoresken Brücken. An einem Ende das altehrwürdige Gymnasium, zu dessen Besuch die Schüler täglich die Altstadt passieren.

Im Juli aber steigt die Erft nach anhaltenden Regenfällen an und aus ihrem Bett heraus. Da ein großes Hochwasser zuletzt im 17. Jahrhundert geherrscht hat, machen sich die Anwohner nicht so viele Sorgen. Frau Decker denkt beim Anblick des steigenden Wassers sogar zuerst an ihre Tischwäsche, die sie jetzt doch lieber in den ersten Stock rettet. Dann geht alles ganz schnell, innerhalb einer halben Stunde steht das Wasser bauchhoch! Am nächsten Morgen ist es wieder verschwunden. Dazwischen aber die Nacht mit unvorstellbaren Szenarien: Autos schwimmen aus der Stadt heraus und bilden einen Schrottfriedhof vor den Toren, auf ihrem Weg zerstören sie Schaufenster, Brücken, Gebäude...

Kühlschränke und Waschmaschinen machen sich selbständig und rumpeln durch den Keller. Zwei Altenheime werden evakuiert, die Bewohner können, wenn auch beengt, in benachbarten Einrichtungen unterkommen. Menschen auf der Straße, von den Wassermassen total überrumpelt, können teils von vorbeikommenden Autos gerettet werden. Andere haben nicht so viel Glück, die Flut reißt sie in den Tod.

Um Stromunfällen bei Kontakt mit dem Wasser vorzubeugen, wird die Stromversorgung ausgeschaltet. Da es nun kein Licht und keinen Kontakt per Internet, Telefon und Handy mehr gibt, können z.B. bettlägerige Menschen keinen Notruf mehr absenden und bleiben in ihrer Hilflosigkeit alleine und gefährdet. Das ganze Ausmaß der Flut macht sich aber langsam erst in den nächsten Tagen bemerkbar, als durchsickert, dass nicht nur Bad Münstereifel, sondern die ganze Region betroffen ist und Hilfe „von oben“ auf sich warten lässt.

Bei allem Schrecklichen, das in dieser Nacht passiert, folgt darauf dennoch das Wunderbare: die beeindruckende Hilfsbereitschaft von nah und fern! Schon am ersten Tag und für lange Zeit stehen Freiwillige mit Schaufel und Eimer parat, fragen: „Wo können wir helfen?“. Da die Lebensmittelläden zerstört sind und auch weder normaler Straßen- noch Schienenverkehr möglich ist, ziehen Helfer mit Suppenküchen durch die Straßen. Familien, Freunde und Nachbarn räumen Zimmer oder Kellerwohnungen, um den obdachlos Gewordenen Unterkunft zu geben. Diese spektakuläre Solidarität beeindruckt nachdrücklich und gibt den Menschen Mut und Kraft ihre Häuser, ihre Stadt wieder aufzubauen.

Auch die unbürokratische Hilfe der Evangelischen Kirchengemeinde, die dank der Hainburger Spende möglich war, wurde und wird u.a. in Bautrockner, Waschmaschinen, Bargeldauszahlungen (Geld-abhebungen sind ohne Strom nicht möglich) investiert und überaus dankbar angenommen. Alle Empfänger wurden und werden ob ihrer Bedürftigkeit geprüft.

Von kleinen Auszeiten auf Wochenendfreizeiten mit der Gemeindepädagogin - ebenfalls durch unsere Spende finanziert - profitieren die teils traumatisierten Kinder und Jugendlichen.

 

Mit beeindruckenden Geschichten und Bildern im Kopf, neuen freundschaftlichen Kontakten und der Versicherung, uns wiederzusehen, fahren wir nach Hause und überlegen, wie es uns wohl gehen würde, träte der Main in diesen Dimensionen über seine Ufer.

 

Christiane Casellas, Petra Glattbach und Sabine Schranz

 


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